Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

 

 

 

 

 

 

ist Ihnen das auch schon einmal so gegangen? Da redet einer anscheinend unheimlich gescheit daher, vielleicht im Fernsehen bei einem Interview oder in einer Talk-Show. So gescheit nämlich, dass man kaum versteht, was er meint. Man kommt sich schon richtig klein und geistig etwas minderbemittelt vor. - Bis einen dann so allmählich die Ahnung befällt, das könnte alles nur heiße Luft sein, Gerede ohne echte Substanz, große Worte ohne Inhalt. -
Und dann schalten wir ab: vielleicht sogar im wahrsten Sinne des Wortes den Fernsehapparat oder das Radio. Denn wir haben immer mehr den Eindruck: Da will einer vor allem demonstrieren, dass er sich für besonders klug hält. Und dass er alles am besten weiß. Weil ihm ja niemand zu widersprechen wagt, so gescheit, wie seine Worte klingen. Dabei sind es nur Banalitäten, die er von sich gibt, in hochtrabende Sprache verpackt. -
Wahrscheinlich trügt uns dann unser Gefühl nicht. Denn natürlich braucht es für bestimmte Fachbereiche an manchen Stellen auch bestimmte Fachwörter, beispielsweise wenn es um medizinische Dinge geht oder um Computer und Internet. Aber wenn einfache Sachverhalte möglichst kompliziert ausgedrückt werden, mit möglichst vielen Fremdwörtern, dann ist das keineswegs ein Zeichen besonderer Intelligenz. Es ist eher Vernebelung dessen, was man meint; Selbstdarstellung vor einem geneigten Publikum; im besten Falle Unvermögen, das, was man will, verständlich darzulegen.

 

Pf-Goetz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pfarrer Mathias Götz

 

Das Gute daran ist, dass wir das meistens auch merken. Vielleicht nicht gleich, aber dann doch im Laufe der Zeit. So hat etwa eine Untersuchung an der Universität Princeton, die an Studentinnen und Studenten durchgeführt wurde, den Mythos widerlegt, dass die Studierenden Professoren dann am eindrucksvollsten finden, wenn diese unnötigerweise lange und komplizierte Wörter und Sätze verwenden. Und das, obwohl der gleiche Sachverhalt auch einfach und mit verständlichen Worten ausgedrückt werden könnte. Geläufige Gedanken in einer hochtrabenden Sprache zu formulieren, wurde nämlich in dieser Untersuchung als Anzeichen für geringe Intelligenz und Glaubwürdigkeit im Hinblick auf die Professoren gewertet. - Vermutlich zu Recht.
Es gibt also überhaupt keinen Grund dafür, dass wir vor jemandem erschrocken zurückweichen oder ihm sogar von vornherein recht geben, nur weil er geschwollen daherredet. Angebracht ist in einem solchen Falle eher unser gesundes Misstrauen.
 
Übrigens ist das Problem nicht neu. Schon der Reformator Martin Luther konnte ziemlich grob werden, wenn es um den Philosophen Aristoteles ging, dessen Schriften damals an vielen Universitäten als das Maß aller Dinge galten, als Inbegriff größtmöglicher Klugheit. So meinte Martin Luther über die Schriften des Aristoteles, es habe sie in Wahrheit über die Jahrhunderte hin noch nie jemand wirklich verstanden. Deshalb könnten sich auch alle auf Aristoteles berufen. Man könne eben meistens seine eigene Meinung in dessen Schriften hineininterpretieren, um sich dann ungeniert auf die Autorität des Aristoteles zu berufen. Es könne einem ja niemand das Gegenteil beweisen. - Wer einmal Schriften dieses antiken Philosophen gelesen hat, der wird verstehen können, weshalb der Reformator zu einem so vernichtenden Urteil kommt.
 
Und weil unser Gott ja will, dass wir Menschen verstehen, was er meint. Und weil er uns so ansprechen will, dass wir ihm antworten – deshalb hat auch unser Gott das, was wir wissen müssen, in Formulierungen auf uns kommen lassen, die jeder verstehen kann. Das gilt schon für die 10 Gebote, die im Alten Testament stehen.
Es gilt aber auch im Hinblick auf den Kern unseres christlichen Glaubens. Es gilt auch und vor allem im Hinblick auf das, was wir wissen und verstehen müssen, um Gottes geliebte Kinder zu sein und am Ende gerettet zu sein zum ewigen Leben. So sind zwar viele Aussagen in der Bibel noch genauer und noch besser zu verstehen, wenn wir beispielsweise die Zeitumstände und die Situationen kennen, in die hinein sie ergangen sind. Aber die grundlegende Botschaft, die können wir alle verstehen auch ohne Hintergrundwissen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Bibelwort für den Karfreitag. Es steht im Johannesevangelium, Kapitel 3, im Vers 16, und lautet:
 
Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
 
Hier ist kurz und verständlich zusammengefasst, was wirklich wichtig ist für uns Menschen im Leben und im Sterben, nämlich:
 
- Unser Gott liebt die Welt und uns Menschen.
 
- Er hat Jesus Christus in die Welt gesandt, damit der für uns
  Menschen leidet und stirbt am Kreuz.
 
- In Jesus Christus und durch Jesus Christus bietet uns der allmäch-
  tige Gott das ewige Leben an.
 
- Dieses ewige Leben erhalten die, die im Glauben verbunden sind
  mit dem auferstandenen Jesus Christus und damit mit dem drei-
  einigen Gott.
Um das zu verstehen, braucht es weder ein Studium, noch philosophische Erkenntnisse. Es ist so einfach, dass es jeder und jede begreifen kann. Mehr noch: was Jesus Christus für uns getan hat - dass er nämlich aus Liebe zu uns gelitten hat und am Kreuz gestorben ist – das ist so anschaulich und konkret, dass es schon ein Kind begreifen kann.
Und auch, was es heißt, dass wir durch Jesus Christus nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben, ist begreifbar und verstehbar geworden spätestens, als Jesus an Ostern auferstanden ist von den Toten.
 
Gott hat also alles getan, damit wir Menschen zu ihm gehören können schon hier und heute. Und erst recht am Ende unseres irdischen Lebens und über unser irdisches Leben hinaus. Dann für immer in Gottes Neuer Welt, verbunden untereinander und mit unserem Gott in ungebrochener Liebe. -  So einfach ist die christliche Wahrheit.
Und wer die Frohe Botschaft von Jesus Christus zur Grundlage seines Lebens macht und zu unserem Gott in Beziehung tritt – wer also glaubt – der ist gerettet.
Das Problem besteht also bestimmt nicht darin, dass wir das, was wir von Gott und von Gottes Liebe zu uns wissen müssen, nicht verstehen könnten. Das Problem besteht allenfalls darin, dass es uns über die vielen Dinge des Alltags so in den Hintergrund gerät, dass es seine Bedeutung für uns verliert.
 
Denn auch das zeigen ja geradezu unendlich viele Untersuchungen: Worauf wir nicht immer wieder aufmerksam gemacht werden, das gerät in unserem Leben immer mehr in den Hintergrund. Und deshalb ist es so wichtig, dass wir regelmäßig an Gott erinnert werden als den Grund und das Ziel unseres Lebens. Da ist es beispielsweise eine große Hilfe, wenn das Gebet jeden Tag ganz selbstverständlich zu unserem Tagesablauf dazu gehört, beispielsweise gleich am Morgen nach dem Aufstehen; am Abend, bevor wir zu Bett gehen; oder auch das Gebet vor den Mahlzeiten. Und es hilft uns auch, wenn etwa das Losungsbuch oder ein anders Andachtsbuch auf unserm Nachttisch liegt und wir schauen jeden Tag hinein, um das, was wir erleben, im Lichte Gottes zu bedenken. Und zum Glück leben wir ja in einem Land, in dem auch jeder und jede eine Bibel besitzen kann und darin lesen kann.
 
Und natürlich sind vor allem auch die gemeinsam gefeierten Gottesdienste die Stellen, an denen wir uns Gottes Wahrheit vor Augen halten, Gottes Liebe zu uns feiern und uns selber und unsere Lieben verankern in der Wirklichkeit Gottes. Gerade unsere Gottesdienste über Karfreitag und Ostern bieten die Gelegenheit, das Leiden und Sterben Jesu für uns und seine Auferstehung als die Kernpunkte unseres christlichen Glaubens wieder neu und erst recht wahrzunehmen und so Gottes Liebe zu uns bis in die Tiefenschichten unseres Bewusstseins vordringen zu lassen.
So laden wir herzlich ein zum Kantatengottesdienst am Gründonnerstag um 19.30 Uhr und zum Gottesdienst mit Abendmahl an Karfreitag um 9.45 Uhr, beides in unserer Kirche. Auch, aber nicht nur für Jugendliche und für Familien feiern wir dann um 11.15 Uhr im Johann-Peter-Hebel-Haus unseren Familiengottesdienst zum Karfreitag. Im Anschluss an diesen Gottesdienst sind wir alle wieder eingeladen zu einem karfreitagsgemäßen Mittagessen.
Ein Höhepunkt am Ostersonntag ist die Osternachtfeier um 6.00 Uhr in unserer Kirche. Im Anschluss daran geht es zum gemeinsamen Osterfrühstück ins Johann-Peter-Hebel-Haus.

 

 

Weitere Ostergottesdienste finden dann am Ostersonntag und am Ostermontag jeweils um 9.45 Uhr in unserer Kirche statt.
Lassen Sie sich einladen und feiern sie mit, dass wir durch Jesus Christus erlöst sind, und dass er als der auferstandene Herr und Gott jeden Tag an unserer Seite ist! Schließlich kann es keine grundlegend wichtigere und wohltuendere Botschaft für uns Menschen geben als die von der Liebe unseres Gottes zu uns.
So wünsche ich Ihnen für die noch verbleibenden Tage der Passionszeit und für die Osterzeit die spürbare Nähe unseres Schöpfers und Erlösers. Möge er uns auf allen unseren Wegen segnen und es uns immer wieder erleben lassen, dass wir in seiner Liebe geborgen sind!

 

KIRCHE_rot-176-240

 

 

 

 

 

 

Ihr Pfarrer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Vorwort

E v a n g e l i s c h e    K i r c h e n g e m e i n d e    N i e f e r n